20-08-2007 - 23-08-2007
Paris - Brest - Paris
Für meinen ersten Superbrevet habe ich mir gleich den klassiker schlechthin - Paris-Brest-Paris - ausgesucht.
Bereits zum 16.enten mal wird diese Veranstaltung ausgetragen. Dieses Jahr stehen etwa 5300 Randonneure am Start.

Ich reise von Wien aus mittels Billigflieger nach Paris. Mein Fahrrad kommt per Auto nach. Danke an PeterK!
Am Flughafen treffe ich auf Andreas, den ich von den Brevets her flüchtig kenne. Er hat den gleichen Flug wie ich.

Vom Flughafen geht es dann per öffentlicher Verkehrsmittel durh ganz Paris, bis zum 5 km vom Start entfernten Hotel, das der Österreichische Präsident der Randonneure - Klaus Bäumel - organisiert hat.

Der nächste Tag wird mit der abholung der Startunterlagen, und eines kurzen besuches in der Pariser Innenstadt verbracht. - Heute zeigt sich das Wetter von seiner schönsten Seite.


Der Tag des Startes ist gekommen. Immer wieder regnet es. Wir versuchen noch so viel schlaf als möglich zu bekommen - ein unterfangen das mir nicht wirklich gelingen will.
So gegen 16:30 Uhr mache ich mich zum Start auf, um noch eine letzte Mahlzeit zu mir zu nehmen.


Danach stelle ich mich in der immer länger werdenden Schlange zum Start an.
Ich bin als einer der ersten angestellt, und so komme ich in die erste Startgruppe.

Zum vergrössern klicken. Um punkt 20:00 Uhr erfolgt der Start.
Die ersten 15 km werden neutralisiert gefahren.

Km 8 - 1 Vorderraddefekt. Sogleich kommt ein etwa 70 jähriger Brite und bietet seine Hilfe an. Hmm, denke ich mir, fängt ja schon gut an... aber was solls auf 1225 km 10 Minuten für einen Schlauchwechsel zu verlieren - soll nichts schlimmeres passieren. Fahrt wird wieder aufgenommen -> Die 2 Startgruppe holt mich gleich darauf ein.

Km 22 - 2 Vorderraddefekt... Gut das man auf einer solchen Strecke 2 Schläuche mitnimmt... ;-) Reihe mich hinter der 3 Startgruppe wieder ein.

Die Dunkelheit setzt ein. In der Gegend Frankreichs ist es nachts wirklich dunkel -> da sieht man links und rechts des Lichtkegels nicht wirklich was.

Bis zur ersten Kontrolle bei Km 221 läuft es ganz gut mit über 30ig Schnitt. Es sind viele große Gruppen unterwegs mit denen man gut mitfahren kann.

Bei der ersten Kontrolle entledige ich mich meines Regenschutzes da es bis zu diesem Zeitpunkt trocken war. Just in dem Moment in dem ich die fahrt wieder aufgenommen habe, beginnt ein Platzregen und ich bin bis auf die Knochen nass -> das wird nicht das letzte mal gewesen sein auf den restlichen 1000km...

Irgendwo kurz vor Fougeres übersieht ein Franzose auf regennasser Abfahrt ein Schlagloch und kommt zu sturz. Ich kann nicht mehr rechtzeitig Bremsen und falle quasi im stehen über ihn drüber. Mir und meinem Rad ist nichts passiert - ausser wieder ein wenig mehr nass geworden zu sein - der Franzose sieht dagegen etwas mitgenommener aus. Auf meine Frage auf Deutsch und Englisch ob er sich etwas getan habe bekomme ich nur verständnislose Blicke zurück sodass ich meine Flaschen unter geparkten Autos hervorhole und mich anschicke meine fahrt vortzusetzen. Die mittlerweile stehengebliebenen, und des französisch mächtigen Mitstreiter deuten mir das der Kollege ok ist...

Ein mir nicht erklärlicher Einbruch nach so etwa 320km lässt mich für die nächsten ~ 2 Stunden nur einen sehr bescheidenen Schnitt fahren. Ein paar Regengüsse zwischendurch sorgen dafür das meine Kleidung ja keine Chanche bekommt trocken zu werden. Und mir wird immer kälter. Mir fallen immer wieder die Augen zu, und so muß ich vom Rad, und schlafe 20 Minuten in einer heruntergekommenen (ehemaligen) Bushaltestelle. Nach ein paar Anfällen von Schütelffrost treffe ich in Tinteniac ein km 448.

Ich weiß nicht was ich machen soll. -> Keine Betreuung, dh keine trockenen Sachen und vor allem Schuhe etc. Ich denke das erste mal ans aufhören...



Bis jetzt bin ich bei jeder Kontrolle stehen geblieben und habe mich versucht so gut wie möglich trockenzulegen und aufzuheizen. Hier jetzt einmal meinen Respekt vor den ganzen freiwilligen die sich hier die Tage und Nächte um die Ohren schlagen und sich um die übernächtigten, hungrigen und nicht gerade wohlriechenden Randonneure stets gutgelaunt kümmern -> Chapeau!!!

Unschlüssig was ich machen soll treffe ich auf der Kontrolle Andreas, der 1 1/2 Stunden später gestartet ist. Ich erzähle ihm das ich ans aufhören denke und er 'überredet' mich mit ihm und einem Engländer namens Mike weiterzufahren. Gemeinsam werden wir die nächsten ~800km zurücklegen.

Ab jetzt immer wieder das gleiche Spiel. Regen und trockeneit wechseln sich ab - Das Gewand trocknet langsam auf (mit ausnahme der Schuhe und Sitzpolster / 2 beim Radfahren nicht gerade unwichtige Teile) - je trockener es wird desto mehr entledigt man sich der unnötigen Bekleidung.

Sprich Regenjacke an, Regenjacke aus, Beinlinge an, Beinlinge aus usw... In Carhaix 1 Station vor Brest machen wir Schlafpause. Zuvor eine Dusche gegönnt, und dann ab in den 400 Plätze großen Schlafsaal der zu unserer Ankunft um 2300 nur mit etwa 30 Mann gefüllt ist. Zuvor noch bekanntgegeben wann wir geweckt werden wollen und trotz der Schnarcherei um uns herum ist man nach einmal umdrehen in einen tiefen Schlaf gefallen. Um 0400 werden wir geweckt und der Schlafsaal ist auf einmal bis auf den letzten platz gefüllt...

Bis Brest herrscht jetz gutes Wetter und sogar die Sonne lässt sich sehen, nur der Wind nimmt zu. Auf der Einfahrt nach Brest überholen wir Ferdinand Jung der zu dem Zeitpunkt auf mich schon 9 Stunden gut gemacht hat und super unterwegs ist.



Leider schlägt das Wetter wieder um und die Rückfahrt wird für uns noch nasser als die Hinfahrt. Speziell auf den Stück von Tintenac nach Fougeres (55km) schüttet es die ganze Zeit wie aus Kübeln. -> und das in der nacht... Nichts desto trotz kann es einem passieren mitten in der Nacht in den kleinen Dörfern entlang der Stecke auf Anwohner zu treffen die einen anfeuern, oder gar etwas zu essen oder Kaffee anbieten. Ich bin auf diese Weise zu einer Packung Chips und 3 Schokoladekeksen gekommen...

Eigentlich wollten wir noch bis Villaines la Juhel weiterfahren. Doch wir sind von dem Regen so zermürbt das wir schon in Fougeres Pause machen und für 1-2 Stunden in der Kantine auf Sesseln - oder zum teil auf nacktem Boden ein paar Minuten Schlaf suchen.

Weiter gehts in nassen Sachen. Ab etwa km 750 fängt meine linke Achillessehne zu Schmerzen an. Bei jedem Tritt ein stechender Schmerz. Ich schaue mir das etwa 50km lang an bis ich mich für eine Schmerztablette entscheide - und die macht ihren Job gut.

Zu allem überfluss fangen jetzt auch noch die Fussohlen - die seit über 50 Stunden in nassen Schuhen stecken - an sich aufzublähen. Dies verursacht bei jedem Druck aufs Pedal einen Schmerz wie von 100en kleinen Nadelstichen. Zum vergrössern klicken. Andreas hat genau das gleiche Problem wie ich. Das wird von Stunde zu Stunde schlimmer und am Schluss die letzten 2 Etappen nach Dreux und dann ins Ziel nach - und das obwohl die Strecke hier zusehends flacher wird - Paris sind nur noch sehr langsam möglich.

Kurz vor Dreux, meine Kleidung ist zu diesem Zeitpunkt wieder mehr auf der trockenen Seite, komme ich in ein Gewitter. Triefend nass erreiche ich die Kontrolle. Bei einem Kaffe und einem Schokoriegel mache ich Pause. Eine Belgierin die mit Ihrem Mann auf einem Tandem unterwegs ist kommt herein. Sie meinte das der Regen jetzt aber nicht notwendig gewesen wäre. Darauf entgegne ich das es doch egal sei ob man jetzt 12 oder 14 mal nass wird. Sie sah mich nur erstaunt an und meinte das sie seit sie um 0500 Uhr am Dienstag gestartet sei jetzt erst das erste mal nass geworden sei. -> wie meinen?? - des kanns aber jetzt nicht sein?? das der Regen so Punktuell niedergeht - und dann immer über mir - kann und will ich mir nicht vorstellen...

Aber egal. Auf meine Mitstreiter gewartet und dann auf nach Paris. Und ratet mal. Genau, es regnet wie aus Eimern. Der letzte kurze aber knackige Anstieg ist geschafft und auf der Abfahrt 30 km vor Ziel der 3 Vorderraddefekt. Irgendwie bin ich in der Situation psychisch nicht wirklich entspannt.... Einmal kurz das Vorderrad angegriffen und ich bin auf den ganzen Händen Schwarz vom Dreck der sich in den letzten 1000 km Regenfahrt an den Bremsen und Felgen angesammelt haben...

Mike hat von meinem Defekt nichts mitbekommen und ist ins Ziel vorausgefahren. Andreas und ich treffen am Donnerstag um 22:08 endlich in Guyancourt ein.

Schlußendlich war es eine lange und harte Prüfung die Bestanden wurde.
Zwar habe ich mein mir selbst gestecktes Ziel bei weitem nicht erreicht, aber angesichts der Umstände muß ich zufrieden sein es ins Ziel geschafft zu haben.

Nach einem heißen Bad und sechs Stunden schlaf sah die Welt am nächsten morgen gleich wieder anders aus.
Ich ging wieder zum Start/Zielbereich um auf meine Freunde zu warten die um die mittagszeit herum das Ziel erreichen sollten.
Danach noch kurz im Österreicherlager vorbeigeschaut und ein paar erfahrungen ausgetauscht, ging es auch schon wieder richtung Flughafen und ab nach Hause.

Au revoir Paris, ich werde wiederkommen...

Links
- PBP - Offizielle Seite
- BikeBoard.at Fred
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